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Michael Baierl (XOMI)

Michael Baierl ist vielen bestimmt unter dem Pseudonym XOMI bekannt. Er ist Fotograf, Retoucher, Autor und Trainer in den Bereichen Fotografie und Bildbearbeitung. Es hat mich sehr gefreut, dass Michael zu dem Interview bereit war und er hat einige sehr spannende Antworten gegeben.

1) Michael, erzähle uns doch bitte kurz etwas zu Deiner Person.

Ich bin 41 und habe folglich in einem Jahr den Sinn des Lebens gecheckt und natürlich mein Handtuch immer dabei. (Insider) Nebenbei bin ich Papa, Retuscheur, Tutor, Coach, Fotograf, Autor, Trainer, Koch, Putze vom Dienst, Apple-Fanboy, Chauffeur und Geschichtenerzähler. Am schlimmsten ist es für mich „nein“ zu sagen. Ich bin die Ruhe selbst und kann dich mit meiner sonoren Bass-Stimme einlullen wie ein Baby. Ich kann Dir Sachverhalte erklären wie damals der Typ mit der Maus. Du wolltest jetzt sicher hören, das ich „Profi-Retoucher“ bin, für Kunden wie adidas, Apple oder BMW arbeite? Darüber spricht man nicht 😉 It`s just a job.

2) Du bist vielen sicherlich unter Deinem Pseudonym „Xomi“ bekannt. Wie kam es zu dem Namen und hat er irgendeine Bedeutung?

XOia = galizisch „Schmuckstück“ + MIguel = deutsch „Michael = XoMi.
Vielleicht weil ich Leute im entferntesten Sinne schmücke? Hübscher mache? Jedenfalls ein verdammt cleverer Schachzug von mir, um die schlechten Fotos von früher nicht mit meinem Geschäftsführerposten in Verbindung zu bringen.

3) Du hast bereits einige Videotrainings produziert. Deine DVD „Looks & Styles mit Photoshop“, die Du mit PSD-Tutorials.de zusammen auf den Markt gebracht hast, habe ich mir selbst schon angesehen und konnte mich somit selbst von der Qualität Deiner Videotrainings überzeugen. Sind aktuell schon neue Projekte für Videotrainings geplant?

Grade eben ist mein neues Lightroom-Training bei PSD-Tutorials erschienen. „Lightroom für Einsteiger und Aufsteiger“. Eignet sich bestens dafür wenn du neu durchstarten willst – oder du gleich in höhere Galaxien vordringen willst wo noch nie zuvor ein Mensch gewesen ist – naja fast.
Ich bin auch grade im Ton/Video-Studio und nehme eine neue DVD für PSD-Tutorials auf, deren Inhalte ich so in der Form noch nicht auf dem Markt gesehen habe. Du wirst staunen…mehr darf ich leider noch nicht verraten.

4) Laut meinen Recherchen (korrigiere mich, wenn ich falsch liege), arbeitest Du seit 2006 mit Photoshop und hast Dich nach einigen Jahren Erfahrung mit Fotografie und Bildbearbeitung selbstständig gemacht. Außerdem gibst Du Workshops und produzierst Videotrainings. Wie teilt sich in etwas Deine Arbeit in die verschiedenen Teilbereiche auf und was machst Du davon am Liebsten?

2006 war das? Du lieber Gott ich werde alt! Ja das könnte hinkommen. Zu 80% Retusche, alles andere variiert je nach Auftragslage. Am liebsten bin ich mit adidas unterwegs und bin hier Anlaufstelle für alle Bilder der Event-Fotografen und verteile an Presse, Sportler und TV. Jetzt grade steht die Kletter-WM adidas Rockstars in Stuttgart an und danach die Kajak-WM adidas Sickline im Ötztal. Andere Städte, andere Länder, den ganzen Tag & Nacht Bilder schrubben – genau mein Ding. Ich würde gerne viel mehr fürs eigenen Portfolio arbeiten und auch mehr fotografieren. Letztendlich ist es aber ein Job und meine wenige, freie Zeit verbringe ich lieber mit der Familie.

5) Wie bist Du überhaupt zur Fotografie und Bildbearbeitung gekommen. In Deinem früheren Betätigungsfeld, der Marktforschung, gibt es hier doch eigentlich nicht so viele Berührungspunkte.

Ich war ein schlechter Hobby-Fotograf und musste meine Bilder zwingend aufhübschen. Das erste Buch von Scott Kelby zu Photoshop steht immer noch im Regal. Damals bin ich bis Seite 40 oder so gekommen, danach war ich überfordert. Aber so nach und nach wurde das immer besser. Irgendwann war der Zeitpunkt erreicht an dem ich mein Leben im  Flugzeug für die Firma verbracht habe und die Familie nur noch am Wochenende sah. Das war der Zeitpunkt ins kalte Wasser zu springen und eine Entscheidung zu treffen. Ich habe es bis heute nicht bereut auch wenn der Neustart schwer war.

6) In Deinen Videotrainings dreht sich vieles um Looks & Styles. Würdest Du sagen, dass Deine Bilder aufgrund eines speziellen Looks oder Styles einen besonderen Wiedererkennungswert haben?

Ich denke die Bilder die ich selbst fotografiert und retuschiert habe erkennt man an einem gewissen Look, ja. Bei Auftragsarbeiten richte ich mich natürlich nach den Kundenvorgaben. Die wollen nicht meinen – die wollen ihren persönlichen Look. Ich versuche mich aber auch so weit wies geht hier offen zu halten. Ich bin ein Regelbrecher und mag es nicht mich festlegen zu lassen. Wiedererkennungswert ist gut – aber wenn ich mir die Szene so anschaue was ich tagtäglich auf Facebook & Co sehe, sind die meisten in ihrer Entwicklung stehen geblieben. In Millisekunden erkennt das Auge: das ist ein Bild von X, das eins von Y und schon klickt man weiter. Bilder zu entdecken ist out. Schnell weiter zum nächsten das hoffentlich besser ist. Sorry ich schweife ab…

7) Gibt es Vorbilder aus den Bereichen der Fotografie und Bildbearbeitung für Dich? Wenn ja wer und warum?

Früher war das ganz klar Scott Kelby aufgrund seines großen Photoshop-Wissens. Danach gabs eigentlich keine Vorbilder mehr. Ich analysiere Bilder wenn ich etwas sehe das ich so noch nicht kenne und will es umsetzen können. So entwickle ich mich weiter. Ich beobachte den Markt vor allem Richtung Russland, Polen und Tschechien. Die Künstler dort arbeiten ähnlich wie frühere Maler und sind noch echte Künstler und weniger Dienstleister. Diese Mentalität mag ich.

8) Die Konkurrenz im Bereich Fotografie / Bildbearbeitung wird, auch durch die relativ günstigen Anschaffungspreise der Hard- und Software, immer größer. Wie schafft man es trotzdem, sich auf dem Markt zu behaupten?

Ich sehe das ganz entspannt. Die neuen Kameras überfordern Einsteiger mit einer Funktionsvielfalt die erstmal ein mehrwöchentliches Handbuch lesen erfordert. Von der Praxis ganz zu schweigen. Die Technik macht ohnehin nur einen Anteil des Bildes aus. Das Auge macht das Bild – und die Postproduction korrigiert und verbessert. Auf dem Markt behauptest du dich vor allem durch deine Kontakte und dein Netzwerk. Klar wächst die Konkurrenz, aber das war schon immer so und solange ich einen guten Job abliefere und das jahrelang für einen Kunden entsteht eine Bindung, eine Vertrautheit die Sicherheit gibt. Wir sind „deutsch“ und riskieren nichts – wer möchte schon sein Baby in neue, unsichere Hände geben.

9) Welche Kamera(s) benutzt Du und welches ist im Moment Dein Lieblingsobjektiv?

Privat nutze ich lediglich eine gebraucht gekaufte Nikon D7000 mit einem AF-S Nikkor 17-55 2.8G ED und die tolle Billigscherbe 50mm 1.8. – Seit einem Jahr. Davor hatte ich die Nikon D50 mit 6mp mit der ich immer ausgelacht wurde und unglaubliche Blicke geerntet habe ala „und damit hast du diese Bilder gemacht?“. Die beste Kamera ist immer die, die du dabei hast. 40 oder 50mp ? Man, ich hoffe du hast einen High-End Rechner und nen privaten Server oder ein Datacenter für die Archivierung 🙂
Beruflich leihe ich was für den Job gebraucht wird. Für Reportage gerne eine Fuji-XT1, für Produktshots meistens eine Phase1. Für Studiojobs am liebsten die Sony A7S oder die A7R.

10) Wo siehst Du Dich und Deine Arbeit in 5 Jahren?

In 5 Jahren habe ich 2 PS-Bücher veröffentlicht, bin wieder mehr auf Reisen und produziere im Jahr 2-3 DVDs mehr. Ich fotografiere / retuschiere im Verhältnis 50/50 und habe mein Business Richtung Event-Postproduction und OnLocation-Post verlagert. Der Prozess ist schon im Gange! In 5 Jahren wird man mich auf Facebook nicht mehr finden.

Nochmals herzlichen Dank für das spannende Interview! 🙂

Links:

Homepage
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PSD Tutorials

 

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