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Vollformat vs APS-C

Für viele beginnt der Einstieg in die Welt der digitalen Spiegelreflexkameras (D-SLR´s) mit einer sogenannten CROP-Kamera (APS-C). Diese Kameras sind mittlerweile schon für recht wenig Geld zu haben und es lassen sich damit tolle Fotos schießen. In meinem Fall war dies eine Canon EOS 600D. Es kann natürlich auch eine andere „Einsteiger“-Kamera sein oder auch ein anderer Hersteller, wie z.B. Nikon.

Im Laufe der Zeit beschäftigte ich mich außer mit der Fotografie an sich, auch mit der Technik. Und dann stellte sie sich mir, die Frage aller Fragen, die sich auch ganz viele andere (Hobby-)Fotografen irgendwann im Laufe der Zeit stellt:

Soll ich beim Crop-Format bleiben oder soll ich auf Vollformat wechseln?

Aktuelle APS-C Kameras machen heutzutage wirklich ganz tolle Fotos mit einer hohen Auflösung. Daneben gibt es aber Vollformat-Kameras mittlerweile auch für schmalere Geldbeutel. Der Einstieg in Vollformat bei Canon gelingt mit der EOS 6D schon ab 1400 Euro. So günstig war es noch nie, in die Welt des Vollformats einzutauchen. Somit wird auch die Versuchung immer größer.

Lange Zeit habe ich gehadert, das Für und Wider abgewogen, mich durch gefühlt tausende von Threats in Foto-Foren gelesen und mich letzten Endes entschieden.
Wie ich mich entschieden habe? Das werdet ihr am Ende dieses Textes erfahren. Zunächst aber möchte ich euch nachfolgend die Unterschiede auf technischer Basis erläutern und die Vor- und Nachteile beider Technologien aufzeigen und euch darstellen, warum ich mich dann für das Eine und gegen das Andere entschieden habe.

In meinem Beispiel hier treten die beiden Canon Kameras EOS 600D (Crop) und die EOS 6D (Vollformat) gegeneinander an. Wie schon oben erwähnt, können das auch zwei ganz andere Kameras sein, aber vom Grundprinzip her macht das eigentlich keinen großen Unterschied.

Dann gehen wir also mal ans Eingemachte!

Der größte Unterschied zwischen Crop und Vollformat ist der Bildsensor. Bei den Canon-Kameras ist das Verhältnis der Sensorgröße 1:1,6. Das bedeutet, dass der Sensor einer Vollformat-Kamera um den Faktor 1,6 größer als bei einer Crop-Kamera ist. im Prinzip ist es dann also so, dass ein Pixel auf dem größeren Sensor mehr Platz hat und somit kann der Sensor mehr Informationen aufnehmen, was sich dann wiederum vor allem durch ein besseres Rauschverhalten bemerkbar macht. Sprich: Die VF-Kamera macht bei schlechteren Lichtverhältnissen bessere Bilder, bzw. rauscht weniger.

Zum Begriff „Vollformat“ muss ich allerdings auch noch einmal etwas loswerden. Vollformat kann schon zu Verwirrung führen, weil dies oft mit der größtmöglichen Sensorgröße gleichgestellt wird. Dies ist aber mitnichten so. Es gibt Kameras, die über weitaus größere Sensoren verfügen. Früher, in der analogen Zeit, wurde mit Kleinbildkameras auf chemische Filme fotografiert. Die gängigste Größe dieser Filme war 24x36mm. Nun waren natürlich sämtliche Objektive auf dieses Format ausgerichtet und die Kamerahersteller wollten dem Kunden den Übergang von der analogen in die digitale Welt möglichst einfach machen. So hat man die Filmgröße 1 zu 1 auf den digitalen Sensor adaptiert, so dass die gewohnten Objektive auch weiterhin genutzt werden konnten.

Wie schon oben erwähnt, haben APS-C Kameras einen kleineren Sensor. Bei Canon ist dieser im Verhältnis 1:1,6 kleiner als das Kleinbildformat. Das bedeutet, dass zum Beispiel ein Objektiv mit 50mm Brennweite auf dem Sensor einer APS-C Kamera nur einen Ausschnitt des Bildes auf den Sensor bringt, der normalerweise den ganzen Sensor einer Vollformat-Kamera füllen würde. Somit stellt die Crop-Kamera mit dem Faktor 1,6 den Ausschnitt auf dem Sensor dar, den normalerweise ein Objektiv mit einer Brennweite von 80mm darstellen würde. Es entsteht dann der Eindruck, man hätte mit einer APS-C Kamera den Vorteil einer längeren Brennweite. Ein 300mm Teleobjektiv macht dann an der Crop-Kamera den gleichen Ausschnitt wie 480mm an der Vollformat-Kamera. Daher sind viele Fotografen, die gerne und oft im Tele-Bereich fotografieren, vom APS-C Format durchaus begeistert.

Der sogenannte Crop-Faktor ist aber nicht immer 1,6. Dies ist bei Canon so. Bei Nikon liegt der Crop-Faktor zum Beispiel bei 1,5.
Den Bildern sieht man aber oft nicht an, ob sie nun mit einer APS-C oder einer Vollformat-Kamera gemacht wurden. Die Qualität, wie auch schon erwähnt, ist mittlerweile bei den APS-C Kameras so gut, dass man kaum Qualitätsunterschiede erkennen kann. Es ist mir selbst schon oft passiert, dass ich Bilder gesehen habe und dachte „Wow, das Bild ist 100%ig mit einer Vollformat-Kamera gemacht worden“. Schaue ich mir dann die Bilddaten an, bin ich immer wieder überrascht, welch tolle Fotos mit Crop-Kameras gelingen. Auf der anderen Seite sieht man auch viele schlechte Bilder, die z.B. mit einer Canon EOS 5D Mark III gemacht wurden (Eine Vollformatkamera jenseits der 2000 Euro).

Egal ob man nun mit Vollformat oder APS-C fotografiert… Das wichtigste bei einem guten Foto ist immer noch der Mensch, der durch den Sucher schaut und den Auslöseknopf drückt. Einen guten Blick für Motive, Licht und Situationen kann auch die teuerste Kamera der Welt nicht ersetzen. Man kann sogar mit einem Smartphone fantastische Fotos machen. Man ist hier nur von den Möglichkeiten eingeschränkter.

Ich stelle nun folgend einmal die wichtigsten Vor- und Nachteile der Vollformat-Kamera gegenüber der Crop-Kamera dar, hier im Speziellen die 6D gegen die 600D:

Vorteile Vollformat vs APS-C:

  • größerer Sensor (bessere Auflösung, besseres Rauschverhalten)
  • größerer Sucher (beim Blick durch den Sucher der Kamera sieht man deutlich mehr wie bei der 600D)
  • größerer Body (für mich persönlich ein Vorteil, da mir durch meine großen Hände die Kamera einfach besser in der Hand liegt)
  • „reale“ Brennweite der Objektive durch Kleinbildformat des Sensors
  • W-LAN
  • GPS
  • Gefühl, eine Liga höher zu fotografieren

Nachteile Vollformat vs APS-C:

  • „Brennweitenverlust“ durch Wegfall des Crop-Faktors
  • kein eingebauter Blitz
  • kein Klappdisplay
  • teurer
  • eventuell vorhandene EF-S Objektive lassen sich nicht weiter verwenden
  • Objektive für Vollformat sind generell teurer wie für Crop-Kameras

Ich habe mich letzten Endes dann doch für die 6D entschieden. Nicht, weil ich sie unbedingt brauchen würde, sondern weil sie mir das Gefühl gibt, vielen fotografischen Situationen gewachsen zu sein und gerade der letzte Punkt, den ich bei den Vorteilen aufgeführt habe, ist bestimmt nicht zu unterschätzen. Das ist auch eine Werbestrategie der Hersteller und die funktioniert einfach. Genauso ist es doch auch bei Autos. Braucht man unbedingt ein teures Auto um von A nach B zu kommen? Nein, aber es macht einfach mehr Spaß!

Ich hoffe, ich konnte dem ein oder anderen die Unterschiede, Vor- und Nachteile von Vollformat- und APS-C Kameras etwas anschaulich machen und vielleicht steht ihr ja auch vor der Entscheidung Vollformat vs. APS-C und ich konnte euch zumindest ein paar Denkanstöße mit zur Entscheidungsfindung geben.

Update vom 16.12.2014:

Nachdem ich nun einige Monate mit meiner Canon EOS 6D fotografiert habe, kann ich nur sagen, dass ich den Wechsel auf Vollformat noch für keine einzige Sekunden bereut habe. Es ist wirklich großartig, welch tolle Aufnahmen auch noch bei relativ schlechten Lichtbedingungen gelingen. Selbst bei einem ISO-Wert von 12800 ist kaum Rauschen auf den Bildern zu erkennen. Das wäre mit der 600D niemals machbar gewesen.

Was mich noch etwas stört ist die Tatsache, dass die 6D doch relativ wenig Autofokus-Punkte hat. Wenn man sich dagegen die 5D Mark III anschaut, ist das schon wieder eine andere Welt. Allerdings liegt der Preis hier bei der 5D noch um einiges höher. Für mehr AF-Punkte hätte ich gerne noch ein paar Euros mehr ausgegeben.

Worauf ich bei der 6D allerdings verzichten kann ist die GPS-Funktion. Das ist bestimmt für viele Anwender eine schöne Funktion, aber ich habe sie bisher nur einmal getestet und für unnötig empfunden. Zum Einen dauert es doch einige Minuten (15-20 waren es bestimmt) bis die korrekte Position ermittelt wurde und zum Anderen muss man auch daran denken das GPS nach der Foto-Session wieder auszuschalten, da sonst auch im ausgeschaltetem Zustand der Akku leer gesaugt wird.

Ansonsten, wie schon gesagt, habe ich den Wechsel auf Vollformat nicht bereut und die 6D ist zumindest für Hobbyfotografen und den semi-professionellen Einsatz eine wirklich tolle Kamera.

5 Comments

  1. Klaus Leitzen sagt:

    Danke für den schönen Artikel.
    Hat mir bei meiner Entscheidung sehr geholfen.

  2. Du hast mE. einen wichtigen, wenn nicht *den* entscheidenden Unterschied übersehen: mit dem Cropfaktor wächst nicht nur die Brennweite, sondern auch der Bereich der Schärfentiefe/Tiefenschärfe.
    Das Canon 50mm/f1.4 (ein sehr preiswertes Objektiv, btw) z.B. ermöglicht an einer 6D, nur einen sehr geringen Bereich „scharf“ zu halten, während Vorder- und Hintergrund „verschwimmen“ Auf einer 600D mutiert das zu einem 80mm Objektiv, mit einer entsprechend höheren Schärfentiefe – der scharfe Bereich ist deutlich größer.
    Um einer APS-C-Kamera denselben Effekt zu bekommen, bräuchte man ein Objektiv mit ca. 30mm Brennweite bei gleicher Lichtstärke – und solch ein Objektiv gibt es schlichtweg nicht.
    Der größere Sensor spielt auch im Bereich der Unschärfe eine wichtige Rolle: die weichen Übergänge im unscharfen Bereich „schafft“ ein Vollsensor erheblich(!) besser, als ein APS-C (oder noch kleinerer) Sensor.

    • Stefan Braas Stefan Braas sagt:

      Hallo Michael,
      vielen Dank für Deinen Kommentar.

      Das Thema Schärfentiefe oder Tiefenschärfe (an den Begriffen scheiden sich ja schon die Geister) ist sehr umfangreich und verwirrt teilweise nur mehr, als das jemandem hilft. Der Sensor hat keinen direkten Einfluss auf die Schärfentiefe und ob das für den Fotografen ein Vor- oder Nachteil ist, muss auch jeder für sich selbst entscheiden.

      Wenn ich mal das Beispiel mit der 50er Brennweite aufgreifen darf. Wenn ich mit der 50er Festbrennweite an einer Vollformat-Kamera einen gewissen Bildausschnitt fotografiere, muss ich mit einer APS-C Kamera natürlich entsprechend weiter weg gehen, um den gleichen Bildausschnitt zu bekommen. Nur dadurch ändert sich die Schärfentiefe, da der Abstand zum zu fotografierenden Objekt eben größer geworden ist.

  3. Hallo Stefan,

    Zunächst: Du hast völlig recht, und zwar besonders, wenn Du betonst, es komme in erster Linie auf den „Blick“ des Fotografen an; auch mit einem IPhone könne man hervorragende Fotos machen.

    Wenn es um die Debatte APS-C vs Vollformat geht (und das ist ein technisches, kein ästhetisches Thema), sollte man aber zunächst festhalten, daß es im Grunde nur zwei Aspekte gibt, über die man bei der Gestaltung eines Fotos bestimmen kann: Ausschnitt, und Tiefenschärfe.

    In Sachen Tiefenschärfe ist es grundsätzlich zwar schon richtig, daß die Größe des Sensors hier keine Rolle spielt. Wenn man die Sache Hinblick auf die verfügbaren Objektive ansieht, stellt sich das aber durchaus anders da. Richtig hohe Lichtstärken gibt es für Objektive zwischen ca. 50-90mm; alles was drüber oder darunter liegt hat hier, selbst bei den besten und teuersten Objektiven, zT. deutlich schlechtere Werte.

    (Das spielt für alle Fotos, die man eh mit einem Zoomobjektiv mit bescheidener Lichtstärke machen kann, natürlich keine (oder eine eher geringe) Rolle. Für die Mehrzahl der Fotosituationen tut es eine APS-C Kamera auch; im Urlaub schleppe ich gewöhnlich nicht meine 6D mit mir herum, sondern bin mit meiner Olympus OMD bestens aufgestellt.)

  4. Roland Reiske sagt:

    Hallo Stefan,

    ich überlege auch gerade, ob ich mir eine Vollformatkamera zulege, schaue mir dazu gerade auch die neuen Modelle von Sony an. Ich habe aber eine Bemerkung zu deiner Aussage: „Bei den Canon-Kameras ist das
    Verhältnis der Sensorgröße 1:1,6. Das bedeutet, dass der Sensor einer Vollformat-Kamera um den Faktor 1,6 größer als bei einer Crop-Kamera ist.“

    Dem kann ich nicht so ganz zustimmen. Bei der Vollformat-Kamera EOS 5D Mark III ist der Sensor (ca.) 36 x 24 mm groß, das sind 864 mm². Bei der APS-C-Kamera Canon EOS 7D Mark II beträgt die Sensorgröße 22,4 mm x 15,0 mm. Das sind 336 mm². Die Sensorfläche bei der Vollformatkamera ist also zweieinhalbmal so groß wie bei der APS-C-Kamera. Das ist ein gewaltiger Unterschied – da passen viel mehr Informationen rauf 😉 Der Faktor von 1,6 bezieht sich auf die Sensor-Diagonale. Das ist nicht die Sensorgröße.

    Herzlichen Gruß

    Roland

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